Überlandflug
Nach der Ausbildung haben die meisten Piloten keine Lust mehr wie die Flugschüler die ganze Zeit in der Nähe des Flugplatzes zu fliegen und wagen sich weiter weg. Von einem Überlandflug spricht man, wenn man so weit weg ist, dass man den Verkehr in der Platzrunde nicht mehr sehen kann. Mit einem Segelflugzeug kann man bei gutem Wetter weite Strecken von über 500km fliegen.
Doch wie funktioniert das? Wie kann ein Segelflugzeug so lange fliegen? Warum fliegen Segelflieger immer im Kreis? Und was passiert wenn der Wind weg ist? Diese Fragen werden häufig gestellt. Doch das Prinzip ist gar nicht so kompliziert.
Aufwinde finden
Die erste Herausforderung bei jedem Flug besteht darin, Aufwinde zu finden. Aufwinde entstehen dadurch, dass sich die Luft durch Sonneneinstrahlung in Bodennähe erwärmt, sich irgendwann ablöst und als Thermikblase aufsteigt. Diese aufsteigende Luft strömt wie in einem Schlauch nach oben und zieht von unten immer mehr warme Luft mit hoch. So einen "Thermikschlauch" nennt man Bart.
Bei ihrem Aufstieg kühlt sich die Luft immer weiter ab. Da kältere Luft weniger Wasser aufnehmen kann als wärmere, steigt mit zunehmenden Höhe die Luftfeuchtigkeit solange an, bis die Luft gesättigt ist. Steigt sie noch weiter, kondensiert das in ihr gelöste Wasser zu Wasserdampf und ist als Culumus-Wolke zu sehen. Diese Wolken zeigen uns also, wo Thermik ist.
Haben wir erstmal einen Bart gefunden, kreisen wir in ihm und gewinnen immer weiter an Höhe, bis wir die Wolkenuntergrenze (Basis genannt) erreicht haben. Diese liegt in unserer Region je nach Wetter zwischen 800 und 2500 Metern. Der ganze Vorgang ist rechts in der Grafik dargestellt.
Strecke fliegen
Hat man erstmal eine gewisse Höhe erreicht, kann man diese nutzen, um irgendwo hin zu fliegen. Nur im Gegensatz zu Motorflugzeugen kann ein Segelflugzeug nicht geradeaus fliegen. Doch warum nicht?
Vergleichen wir Segelfliegen mit Fahrradfahren - denn auch da haben wir keinen Motor. Wenn ich mit dem Rad im Flachland geradeaus fahre ohne zu treten, werde ich durch den Luftwiederstand immer langsamer und kippe irgendwann um. Genau das würde mit einem Segelflugzeug auch passieren! Wenn ich jedoch einen flachen Berg herunterfahre, rolle ich immer weiter. Genau dieses Prinzip machen wir uns zu nutze und fliegen die ganze Zeit einen "flachen Berg" herunter. D.h. wir verlieren im Geradeausflug kontinuierlich an Höhe. Wir können mit dem Höhenruder steuern, wie steil der Berg ist. Je steiler wir Richtung Boden fliegen, desto schneller werden wir. Und wenn wir am Höhenruder ziehen und wieder steigen, dann nimmt unsere Geschwindigkeit wieder ab.
Moderne Segelflugzeuge haben eine Gleitzahl von etwa 1:40. Dieses Verhältnis gibt an, wie weit ich mit einer bestimmten Höhe gleiten kann. In diesem Beispiel kann ich mit 1000m Höhe 40km weit fliegen, ohne dabei einen Aufwind zu finden. Jedoch sollte ich auf dieser Strecke einen neuen Bart aufspüren, da mir sonst keine Höhe verbleibt, um weiter zu fliegen. Was dann passiert, kannst Du unten nachlesen.
Nach diesem Prinzip können Segelflieger weite Strecken fliegen. Höhe gewinnen, Höhe wieder abgleiten und dabei Strecke fliegen, Höhe gewinnen, Strecke fliegen usw. Wenn man das einen ganzen Tag lang macht, sind bei gutem Wetter Streckenflüge von mehreren hundert Kilometern möglich.
Größere Streckenflüge werden mit einem GPS-Logger aufgezeichnet. Dieses Gerät speichert alle paar Sekunden die GPS-Position und die Flughöhe. Damit können wir Abends unseren Flug anschauen und ins "OLC" hochgeladen. Das ist eine Plattform, auf der man seinen Flug auswerten und mit anderen vergleichen kann. Ziel ist es, eine möglichst große Strecke zu fliegen. Die Punkte jedes Fluges eines Vereins werden addiert und gehen in die Vereinswertung ein. Es gibt wie bei der Fußball-Bundesliga eine Tabelle der Segelflugvereine, die angibt, wer die meisten Streckenkilometer gesammelt hat.
Außenlandung
Wenn man mal keine Thermik mehr findet und nicht mehr ausreichend Höhe hat, um zurück zum Flugplatz zu gleiten, muss man sich für eine Außenlandung entscheiden. Solche Landungen sind bei Segelfliegern keine Seltenheit und deswegen Teil der Ausbildung. Wir suchen uns hierfür ein geeignetes Landefeld - Ideal sind abgemähte Felder oder Felder mit sehr kleinen Pflanzen.
Nach der Landung muss das Flugzeug zerlegt und in einen Anhänger geladen werden. Das geht normalerweise mit 2-3 Helfern innerhalb von 20 Minuten.

